Die IGöV unterstützt die vorgeschlagene Optimierung des Tramliniennetzes grundsätzlich
und begrüsst eine Umsetzung auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2027.

Der gemeinsam von den beiden Basel sowie BVB und BLT entwickelte Vorschlag ist ein
ausgewogener und rasch umsetzbarer Schritt zur Weiterentwicklung des regionalen
Tramnetzes. Besonders positiv beurteilt die IGöV:

  • die Entlastung der zentralen Innenstadtachse von heute bis zu sieben auf maximal
    fünf Linien;
  • die damit angestrebte Verbesserung von Betriebsstabilität und Pünktlichkeit;
  • die neue Direktverbindung von Birsfelden zum Bahnhof Basel SBB;
  • die Verbindung der Linie 12 über den Bahnhof SBB und die Wettsteinachse ins
    Kleinbasel;
  • die Führung der Linien 15 und 16 über den Messeplatz und damit die direkte
    Verbindung von Bruderholz und Gundeldingen mit dem Kleinbasel;
  • die Verknüpfung von Pratteln und St-Louis, welche neue Direktverbindungen schafft
    und betrieblich günstige Linienäste miteinander verbindet;
  • die Entlastung beim BVB-Fahrzeugbedarf in der Hauptverkehrszeit und den dadurch
    entstehenden Spielraum bei Störungen, Veranstaltungen und Baustellen.

Mit der Verknüpfung der Linien 15 und 16 nimmt der Vorschlag zudem ein wesentliches
Element des von der IGöV bereits 2019 entwickelten Tramnetzes auf. Er zeigt, dass
substanzielle Verbesserungen des Tramangebots bereits vor dem Bau neuer Tramstrecken
möglich sind.

Die Zustimmung der IGöV ist mit folgenden Prüf- und Optimierungsaufträgen verbunden:

1. Weiterentwicklung des Netzes aufzeigen
Die Optimierung von 2027 muss als erster Schritt einer längerfristigen Entwicklung
verstanden werden. Die nun vorgeschlagene Optimierung des Tramnetzes soll aber nicht
darüber hinwegtäuschen, dass auch der Ausbau des Tramnetzes dringend ist und zügig an die
Hand zu nehmen ist. Die Kantone sollen darlegen, wie das Netz nach Inbetriebnahme der
Margarethenverbindung rasch weiterentwickelt wird und wie es mit den späteren
Tramprojekten Claragraben, Petersgraben, Tram Linie 30 usw. zusammenspielt. Mit der
Umsetzung der Margarethenverbindung könnte z.B. die Linie 12 die direkte Verbindung vom
Bahnhof SBB zum Joggeli schaffen. Eine erneute grundlegende Netzänderung nach kurzer
Zeit ist allerdings möglichst zu vermeiden.

2. Betriebliche Funktionsfähigkeit der Knoten nachweisen
Die zusätzlichen Abbiege- und Querfahrten am Bankverein, am Centralbahnplatz und am
Aeschenplatz stellen eine Schwäche des Vorschlags dar. Ihre Auswirkungen auf
Betriebsstabilität, Fussverkehr und übrigen Verkehr sind anhand der bisherigen
Betriebserfahrungen und ergänzender Simulationen transparent darzulegen. Notwendige
kleinere Infrastruktur-, Signal- und Priorisierungsmassnahmen sind rechtzeitig umzusetzen.

3. Barrierefreie und attraktive Umsteigebeziehungen sicherstellen
Für Fahrgäste aus Birsfelden und der Breite entfällt die direkte Verbindung zum Bankverein
und damit ein wichtiger Zugang zur Innenstadt. Die Auswirkungen auf
mobilitätseingeschränkte Fahrgäste sind ausdrücklich zu untersuchen.

4. Angebots- und Ressourcenwirkungen offenlegen
Frequenzen, Kapazitäten und Bedienungszeiten dürfen gegenüber heute insgesamt nicht
verschlechtert werden. Die Veränderungen beim Fahrzeugbedarf und bei den Fahrleistungen
sind für BVB und BLT gesamthaft auszuweisen. Dazu gehören auch die noch offenen
Angebotsfragen auf der Wettsteinachse in den Abendstunden.

5. Orientierung und Kommunikation beachten
Die Wahl der Liniennummer für die Verbindung Pratteln–St-Louis ist aus Kundensicht
nochmals zu prüfen. Die Linie 14 besitzt insbesondere auf dem Prattler Ast und beim St.
Jakob eine starke Verankerung. Eine Beibehaltung dieser Liniennummer könnte die
Orientierung erleichtern und die Akzeptanz erhöhen.

Insgesamt überwiegen die Vorteile des vorgeschlagenen Tramnetzes deutlich. Die IGöV
empfiehlt deshalb, das Konzept weiterzuverfolgen und im Dezember 2027 umzusetzen. Die
genannten Prüfungen sollen der kundenfreundlichen Ausgestaltung und der betrieblichen
Verbesserung dienen, nicht einer erneuten Grundsatzdiskussion über das gesamte
Liniennetz.

Für den Vorstand der IGöV Nordwestschweiz

Thomas Noack
Präsident

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